Das Jahr 315 Nach Ankunft der Rythrobarr

(4. Kriegsjahr)

Die Geschichte Brahns
Der große Krieg
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Noch im März des Jahres 315 greifen illmaarische Truppen die Stadt Cardiolo an und zerstören sie großteils. Die Hauptmacht der Illmaaren versucht unter Befehl des Obersten Fajen Teenul, den strategisch wichtigen Hafen Tirams zu zerstören. Mit leichten schnellen Booten, die sie provisorisch im Wald bauten, nutzen die Illmaaren ihren Überraschungseffekt und zerstören fast die gesamte Flotte Clutargs in der Bucht von Tiram.

Der Rückweg für Illmaaren wird zur Flucht, viele Schiffe werden auf dem Landir versenkt, da großwarondische Schiffe schneller als die provisorischen Boote der Illmaaren sind. Scheinbar Hals über Kopf fliehen die Illmaaren in die Wälder von Aun. Niemand weiß wirklich, was damals in den Wälder vor sich ging, und auch die kampferfahrenen Casser können sich nicht über die Vorgänge einigen, als sie Clutarg von ihrer Niederlage erzählen. Sicher haben sie ihre Truppen auf geschickteste Art und Weise zusammengehalten, doch war es ihnen nicht möglich, die durch die Flucht versprengten Illmaaren aufzureiben. Scheinbar im Pakt mit den unscheinbaren Hütern der Aunwälder, den Tolf, flüchten die Illmaaren auf verschlungenen Pfaden durch das Unterholz und entkommen der zahlenmäßigen Überlegenheit der Großwaronder.
Vielleicht ist dies aber nur ein Ablenkungsmanöver der Illmaaren, denn die Streitmacht Elias' wird in der Chrofoebenen von einem der größten Heere gestellt, die je die Chrofoebene in diesem Krieg sehen sollte. Aus den entferntesten Städten sind Krieger des Illmaarenvolkes nach Chrofo gezogen, um Mondruhn zu rächen und den weitaus unbeschützteren Ländereien eine Macht vorzustellen, die es den Cassern nicht ermöglichen sollte, auf Melcene zu marschieren. Doch die Truppen des Kriegslords Elias sind den Illmaaren an Physis und Bewaffnung weit überlegen. In einer offenen Schlacht einige Meilen vor den Ruinen von Mondruhn unterliegen die Truppen Teenuls den Einheiten der Großwaronder. Der unglaublich Hass der Casser zerschlägt ihre leichten Reihen mit einer Macht, die Teenul zum überhasteten Rückzug zwingt. In den folgenden Jahren soll sich nie wieder ein illmaarisches Heer auf diese Weise den Cassern stellen.

Den Sieg noch auf dem Schlachtfeld feiernd, mussten die Großwaronder jedoch feststellen, dass die Meilen bis Mondruhn unendlich lang wurden. Den Kampf in Formation aufgegeben, befiehlt der oberste Fajen seinen Truppen, sich in alle Winde zu verteilen und die Casser in kleinen überraschenden und unvermuteten Angriffen zu schädigen und daraufhin schnell die Flucht zu ergreifen. Anfangs eher verärgert muss Elias feststellen, dass ihm diese permanente Bedrohung mit der Zeit empfindliche Verluste zufügt. Hatten die Casser bis Mondruhn zwei Tage gebraucht, dauert der Marsch nach Melcene ganze 10 Wochen, und kein Tag vergeht, in denen das Heer ohne Verluste bleibt. Bei Anblick der Dächer und Türme der Stadt Melcene sind die Casser zwar noch im Besitz aller Truppen, die im Frühling das Lager in Skerit verlassen hatten, doch müssen sie erkennen, das in den Einheiten selbst sechs von zehn Männern bei Scharmützeln umgekommen sind. Eine Erstürmung der Stadt ist unmöglich geworden.

Zusätzlich erschwert wird der Plan der Casser, die Stadt zu erobern, durch die von der Stadt ausgehende Ausstrahlung. Der die Illmaaren hassende und in seiner Ehre zutiefst verletzte Casserlord und Kriegsfürst Elias beschreibt kurz nach seinem ersten Blick auf die Hauptstadt diese mit folgenden Worten:

"Ich ritt vor kurzer Zeit mit meinen beiden Obersten zu dem Felsvorsprung, von dem man einen guten Blick auf die Stadt Melcene hatte, die sich Hauptstadt der Illmaaren nennt, dieses von mir und meinen Vorfahren verfluchte Volk! Ich war innerlich voller Hass, ich wollte es mit meinen Gefolgsleuten einnehmen und jedes Haus niederbrennen, jedem meiner Gegner den Kopf abschlagen! Aber als ich die Stadt sah, war mit einem mal mein ganzer Zorn wie weggeblasen. Ich blickte in die Ferne, und ich sah die bunten Dächer, die trotz des trüben Wetters zu leuchten schienen, ich konnte mit einem mal die Geometrie erkennen, von der man immerzu geredet hatte und die ich nie hatte glauben wollen - die Perfektion, mit der diese Stadt errichtet worden war! Trotz der großen Entfernung schien es mir möglich, einzelne Gebäude wahrzunehmen, und auch sie wirkten bizarr mit ihren merkwürdigen Dächern, die so vieleckig waren und unmenschlich wirkten. Mein Gedanke war, wie es möglich sei, dass ein so grausames Volk eine so schöne Stadt hat gründen können, und als ich meine Obersten anblickte, schienen auch sie fasziniert und mit ihren Gedanken nicht mehr bei einem Angriff zu sein. Ich habe meinen Plan, noch heute die Stadt anzugreifen, verworfen - ich werde über meine Gedanken noch nachzudenken haben."

Eine Belagerung ist für das warondische Heer ebenfalls unmöglich, denn zu sehr ist die Anzahl der Soldaten dezimiert worden, als dass man die große Stadt mit ihren vielen Zugangsmöglichkeiten umstellen könnte. Elias lässt das Lager seiner Truppen einen halben Tagesmarsch von Melcene errichten, um über sein weiteres Vorgehen nachzudenken, schickt gleichzeitig zwei Dutzend Reiter unabhängigkeit voneinander auf verschiedenen Wegen los in Richtung Cardiolo, um Nachschub anzufordern, denn er weiß, dass die Illmaaren alles tun werden, um Kontakte zu unterbinden. Tatsächlich erreicht keiner der Soldaten sein Ziel.

Elias jedoch hofft auf eine Verstärkung aus Cardiolo, die ihn nie erreichen soll. Zugleich ist er sich sicher, sein Lager für eine unbegrenzte Zeit aufrechterhalten und verteidigen zu können, denn einen direkten Angriff auf das warondische Heer werden die Illmaaren nach ihrer vernichtenden Niederlage vor wenigen Wochen nicht mehr unternehmen. Dies bestätigt sich, allerdings setzen die Illmaaren ihre zuletzt geführte Strategie fort und behindern die Großwaronder beim Halten ihrer Stellung, wo es nur geht. So erweist sich für Elias' Männer schon nach kurzer Zeit jeder Aufbruch, um Nahrung zu beschaffen, als wahrhaftiges Abenteuer, und zunächst kehren Gruppen selten in der Anzahl zurück, in der sie losgegangen sind. Einzig und allein der unglaublich guten Auffassungsgabe des Heeres um Elias und der hervorragenden kämpferischen Fähigkeiten ist es zu verdanken, dass all die kleinen Kämpfe bald ausgeglichen sind.

Ganze 15 Wochen hält sich das Heer um den Kriegsfürsten vor Melcene, dann naht der Winter. Elias' schlimmste Befürchtung, dass keiner seiner Boten den benötigten Nachschub an Waffen und frischen Männern anfordern konnte, scheint sich für ihn zu bewahrheiten. Ein Rückzug kommt für ihn aus zweierlei Gründen nicht in Frage: Zum einen kann er seinen Gefolgsleuten nicht mitteilen, dass all die Toten und zermürbenden letzten Wochen umsonst gewesen seien, zum anderen kann er es mit seiner eigenen Ehre nicht vereinbaren. So beschließt er schließlich doch einen verzweifelten Angriff auf die Hauptstadt der Illmaaren. In einer aufrüttelnden Rede schafft er es, seinem Heer neuen Mut und Kampfgeist einzuflößen, und in einem Gewaltsturm gehen die Großwaronder auf die Hauptstadt los, zwar ohne wirkliche Hoffnung auf Sieg, jedoch mit dem starken Willen, soviel zu zerstören wie nur möglich.

Der Kampf entwickelt sich für das großwarondische Heer zu einer Katastrophe. Schon nach weniger als einer Stunde hat Elias in den vielen Straßen und in den leuchtenden Farben der Stadt die direkte Führung über seine Mannen verloren, seine einzelnen Einheiten verwickeln sich zunehmend in Zweikämpfe, die sie nach und nach trotz ihrer guten kämpferischen Fähigkeiten aufgrund der zahlenmäßigen Unterlegenheit und des unbekannten Territoriums verlieren. Der Sieg für die Illmaaren scheint in unmittelbarer Reichweite zu sein.

Doch plötzlich erscheint ein neues Heer vor Melcene: Die beiden Sronnhäuser Swagnor und Balronar unter der Führung Nargawans und Missale (die Frau Morbelcads) greifen mit vereinten Kräften an. Sie hatten von der Belagerung Melcenes erfahren und gingen davon aus, dass, egal wer als Sieger aus dieser Belagerung hervorgegangen ist, derjenige ein sehr geschwächter Gegner sein würde, den die Sronn ohne große Mühe besiegen könnten. Dass sie nun direkt in einen Kampf zwischen den beiden Kontrahenten einsteigen würden, war zwar nicht geplant, jedoch kehrt das Sronnheer nicht um, sondern fällt ebenfalls auf die Stadt ein. Dies erweist sich als gute Entscheidung: Die Sronn sind ausgeruht, voller Kraft und überrollen die Stadt, die Illmaaren und die Großwaronder. Teenul lässt die gesamte Bevölkerung Melcenes nach kürzester Zeit fliehen, stirbt jedoch selbst bei diesem Rückzug. Von den Großwarondern überlebt kaum einer diesen Kampf, Elias gelingt mit einer versprengten Gruppe von zehn Mann die Flucht.

Zwar können die Sronn nun den Sieg über die illmaarische Stadt feiern, jedoch bringt ihnen dieser kein Glück. Die Brunnen Melcenes kippen nach wenigen Wochen, das gesamte Wild der Umgebung Melcenes scheint wie vom Erdboden verschwunden und der harte Winter des Jahres 315/316 nach Ankunft der Rythrobarr bringt für das Volk zusätzlich kaum pflanzliche Nahrung, dafür jedoch viele Krankheiten mit sich. Ob dies nun Zufall oder ein Zusammenspiel der Magie der Stadt und der Illmaaren mit ihrem Gott ZERPTRA ist, ist unklar und bleibt eines der vielen ungelösten Rätsel im Großen Krieg. Im Januar des Jahres 316 verlassen die Sronn Melcene, ohne es über das Herz zu bringen, sie zu zerstören. Schon im Februar kehren die ersten Illmaaren friedlich in ihre fast völlig intakte Hauptstadt zurück.
 
 


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